Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Medien - Prof. Dr. Oliver Jahraus
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"Prekäre Identitäten" - Historische Umbrüche, ihre politische Erfahrung und literarische Verarbeitung im Werk Alexander Lernet-Holenias

Oliver Jahraus / Margit Dirscherl / Michaela Raß

17.05.2018 – 19.05.2018

Internationale Tagung im Lyrik-Kabinett, Amalienstraße 83, 80799 München

vom 17. bis 19. Mai 2018

Veranstaltet von Prof. Dr. Oliver Jahraus, Dr. Margit Dirscherl und Dr. Michaela Nicole Raß

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Der mehrfach ausgezeichnete österreichische Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia war ein Zeitgenosse Rainer Maria Rilkes und Stefan Zweigs. Er wurde als Lyriker, Theaterdichter, Drehbuchautor und als Verfasser der Romane Die Standarte (1934), Mars im Widder (1941/47) sowie der Novelle Der Baron Bagge (1936) bekannt. Zu Lebzeiten umstritten und von den Nationalsozialisten verboten, gilt er neben Leo Perutz heute als „wichtigster österreichischer Erzähler des Phantastischen“ (Lexikon der phantastischen Literatur, 1998).

Lernet-Holenia hat einen wesentlichen Beitrag zu einer ästhetischen Aufarbeitung von grundlegenden und neuen Erfahrungen geliefert, die der Erste Weltkrieg mit sich gebracht hat, zumal für die Habsburgermonarchie. Das gilt aber auch für alle Kriegs- und Zwischen- und Nachkriegserfahrungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bis hin zum Dritten Reich, Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegserfahrung nach 1945. Im Rahmen der Tagung soll Lernet-Holenias Werk historisch kontextualisiert, neu im literarischen Feld seiner Zeit situiert und in den Fokus der gegenwärtigen literaturwissenschaftlichen Forschung gerückt werden.

Am Donnerstagabend um 18.30 Uhr liest die Schauspielerin Linn Reusse, bekannt aus den Filmen Die Rote Zora (NDR/Studio Hamburg, 2008) und Unterm Radar (WDR/ARD, 2015), aus dem lyrischen Werk Alexander Lernet-Holenias. Die Lesung wird begleitet vom Literaturwissenschaftler Rüdiger Görner, der viele der Werke Lernet-Holenias herausgegeben hat (u.a. Fragmente aus verlorenen Sommern. Gedichte, 2001). Anschließend findet ein Empfang statt. Eintritt frei.

 

Programm

Donnerstag, 17. Mai

14.00 Oliver Jahraus (München): Begrüßung & Einleitung

Moderation: Helmuth Kiesel (Heidelberg)

14.30 Robert Dassanowsky (Colorado Springs, Colorado): Ein Identitätstreffen: Alexander Lernet-Holenia, Erich Engel und die Zukunft des österreichischen Ständestaates im Spielfilm Hohe Schule (1934)

15.15 Kaffeepause

15.45 Franziska Mayer (München): Gespiegelte Untergänge. Zum Geschichtskonzept im Prosawerk von Alexander Lernet-Holenia

16.30 Rüdiger Görner (London): Verlässliches im Unsicheren. Alexander Lernet-Holenias erzählte Zwischenräume

18.30 Linn Reusse liest aus Fragmente aus verlorenen Sommern, mit Überleitungen von Rüdiger Görner. Anschließend Empfang

Freitag, 18. Mai

Moderation: Mario Grizelj (München)

9.30 Daniela Strigl (Wien): Wirklicher als die wirkliche Welt – Der Baron Bagge als Reflex des habsburgischen Mythos

10.15 Stéphane Pesnel (Paris): Der Graf von Saint-Germain oder die Identitätsproblematik im Spannungsfeld von Mythos und Geschichte

11.00 Kaffeepause

11.30 Christophe Fricker (Bristol): Verhalten, Entscheidung, Erzählung. Identitätskrisen in Ich war Jack Mortimer aus phänomenologischer und narratologischer Sicht

12.15 Michaela Nicole Raß (München): Die sich Entziehenden. Frauenfiguren in den Romanen Lernet-Holenias

13.00 Mittagspause

Moderation: Michaela Nicole Raß

14.30 Markus May (München): Eine alternative Version der Moderne in der österreichischen Literatur der zwanziger bis vierziger Jahre

15.15 Gerald Sommer (Berlin): „Wir werden niemandem ‚den Wurschtel machen‘“. Zum Briefwechsel zwischen Heimito von Doderer und Alexander Lernet-Holenia

16.00 Kaffeepause

16.30 Buchvorstellung von Clemens Ruthner: Habsburg’s ‚Dark Continent‘. ‚Postkoloniale‘ Lektüren zur österreichischen Literatur und Kultur im langen 19. Jahrhundert

18.30 Gemeinsames Abendessen

Samstag, 19. Mai

Moderation: Kay Wolfinger (München)

9.30 Manfred Müller (Wien): Zer- und Verfallsprozesse in Lernet-Holenias Arbeiten der Zeit zwischen 1945 und 1950 im Kontext (Aichinger, Doderer, Rezzori, Eisenreich)

10.15 Margit Dirscherl (München): Schwindel und Staub. Zum Weltkriegsbeginn in Mars im Widder

11.00 Kaffeepause

Moderation: Paul Michael Lützeler (St. Louis, Washington)

11.30 Kay Wolfinger (München): Die Esoterik der Schrift: Alexander Lernet-Holenia und das Okkulte

12.15 Erik Schilling (München): „Soll ich euch Götter | nennen?“ Ein narratologischer Blick auf die Präsentation von Transzendenz in der Dichtung Alexander Lernet-Holenias

13.00 Mittagspause

14.30 Clemens Ruthner (Dublin): Die dunkle Seite des österreichischen Mondes. Der Graf Luna als (NS-)Trauma-Narrativ [neuer Titel]

15.15 Abschlussdiskussion

16.00 Kaffeepause

16.30 Filmvorführung „Spionage“ (1955, Regie: Franz Antel)

18.30 Gemeinsames Abendessen

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